Worauf müssen wir uns einstellen?

Mit der Chance, immer älter zu werden, nimmt auch die Möglichkeit zu, demenzielle Veränderungen zu entwickeln. Im Alter von einer Demenz betroffen zu sein, ist zu einer Form des Altwerdens geworden.

Demenzen werden frühzeitig(er) erkannt und Betroffene verbringen mehr Lebensjahre mit einer Demenz. Zugleich steigt die Zahl der Ein-Personen-Haushalte (insbesondere in den urbanen Zentren)und ältere Menschen sind hier überproportional vertreten.

Die familiale Versorgung ist in Folge des demografischen Wandels und durch zumeist berufsbedingteMobilitätrückläufig.

Neuer Blickwinkel

  • Das Thema Demenz kann nicht dem Pflege- und dem medizinischen Sektor überlassen werden, schon gar nicht den Angehörigen.
  • Demenzielle Beeinträchtigungen haben sich zu einer großen Herausforderung entwickelt, der sektoren-, berufsgruppen- und disziplinübergreifend zu begegnen ist und die nur unter Einbeziehung aller gesellschaftlichen Bereiche bewältigt werden kann.
  • Im Zentrum der Auseinandersetzung sollten die Menschen mit Demenz als Bürger eines Gemeinwesens stehen.
  • Alle Menschen mit Demenz haben eine Lebensgeschichte. Sie haben Gefühle, Bedürfnisse und Fähigkeiten, auch dann, wenn die Demenz weit fortgeschritten ist.

Demenz ist eine Form des Alterns

  • In der öffentlichen Diskussion geht es bisher vorrangig um die Versorgung, das Optimierungspotential in Heimen und um Kosten, wobei fast immer das fortgeschrittene Stadium der Demenz im Fokus steht.
  • Doch nach der „Diagnose“ liegen oft Jahre, in denen die Betroffenen aufgrund von Orientierungs- und Gedächtnisstörungen vor allem auf eines angewiesen sind: auf Unterstützung im Alltag, auf Kontakt und Begegnung.
  • Insbesondere in den Anfangsjahren einer Demenz benötigen die Menschen nicht vorrangig professionelle Hilfen. Deshalb muss mehr Energie in Fragen fließen, wie Demenzbetroffene und deren Angehörigen integriert in der Gemeinschaft würdig umsorgt, unterstützt und gehalten werden können.
  • Dort, wo die Menschen leben, arbeiten, betreut werden, ihren Alltag gestaltenund sterben, müssen Initiativen ansetzen, denen es um eine veränderte Wahrnehmung, einen veränderten Umgang und ein verändertes Handeln mit Blick auf die Demenz geht. Demenz hat viele Gesichter.

Der Arbeitskreis Gerontopsychiatrie führte 2011 die Kampagne „Mittendrin – Dazu gehören: Auf dem Weg zu einer demenzfreundlichen Kommune“ durch. Seither wird mit lokalen Aktionsbündnissen in zwei Heidelberger Stadteilen und in Gemeinden des Rhein-Neckar-Kreises die Idee der Demenzfreundlichen Kommen weitergetragen und umgesetzt. Sie wollen den Gedanken der Demenzfreundlichen Kommune für ihre Gemeinden / Stadtteile mit konkreten Ideen und Inhalten füllen. Nach Möglichkeit soll dabei an bereits bestehende Strukturen angeknüpft werden (z.B. Runder Tisch Demenz Weinheim, einzelne Seniorenzentren in HD).

 ab2014k

Die Aktionsbündnisse wie auch das Thema Demenzfreundliche Kommune insgesamt wurden 2012 von der Kommunalen Gesundheitskonferenz in das Programm „Alter(n) und Gesundheit“ aufgenommen.

Die Geschäftsstelle der KGK lädt jährlich die Akteure der Aktionsbündnisse und weitere Interessierte zu Werkstattgesprächen und Veranstaltungen ein. Die Aufgaben der Ideenwerkstatt bestehen primär darin, Ergebnisse von lokalen Initiativen zusammenzuführen, den Gedankenaustausch zwischen sich entwickelnden Initiativen zu fördern sowie ggf. einen fachlichen Input in Form eines Workshops bzw. einer Präsentation von bestehenden Initiativen/ Modellen zu geben.

Werkstattgespräche

Hier finden Sie die Dokumentationen und vereinzelte Vorträge zu den Werkstattgesprächen der letzten Jahre:

Werkstattgespräch 2012: Dokumentation

Werkstattgespräch 2013: Dokumentation

Werkstattgespräch 2014: Dokumentation und Vorträge zu den Themen Leben mit der Diagnose, Ein eigenes Dorf für Menschen mit Demenz und Musik-Konzerte für Menschen mit Demenz

Werkstattgespräch 2015: Dokumentation u.a. mit dem Vortrag "Anders Wohnen? Fachliche, ethische und sozial-politische Dimensionen einer Wohnkultur im Zeichen von Demenz" (Prof. Dr. Hermann Brandenburg)

Werkstattgespräch 2016: Dokumentation 5. Werkstattgespräch zum Thema "Bewegung und Demenz" und Vorträge zu den Themen "Training im hohen Lebensalter" sowie "AUF Aktiv und Fit leben"   

Veröffentlichung Handreichung "Vermisst"

Das Phänomen rast- und ruheloses Umhergehen tritt häufig bei demenzkranken Menschen auf. Über die Hinlauftendenz (früher: Weglauftendenz) weiß man, dass Menschen mit Demenz sich zwar mit einem Ziel auf den Weg machen, dann aber Schwierigkeiten haben, dieses Ziel oder den Weg zurück zu finden. Dieses Risiko ist nicht auszuschließen – aber es ist gut, vorbereitet zu sein. Dieses Thema wurde beim 4. Werkstattgespräch „Demenzfreundliche Kommune“ im Rahmen der Kommunalen Gesundheitskonferenz RNK und HD aufgegriffen. Mitarbeiter des Referates Prävention des Polizeipräsidiums Mannheim und des  Gesundheitsamtes entwickelten eine kleine Handreichung für Angehörige. Diese Handreichung informiert zu Hinlauftendenz - Weglauftendenzen, über Vorbeugemaßnahmen, gibt Tipps und - ganz wichtig - enthält einen Fragebogen für die Polizei. Diese Handreichung ist nun fertig und kann hier als pdf heruntergeladen werden bzw. als Fyler in allen Polizeidienststellen, Pflegestützpunkten des RNK und bei Heidi Flassak angefordert werden: Telefon: 06221 522-1866, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!